Selten hat das Orchester des Musikvereins Walkertshofen erlebt, dass während und nach einem Konzert das Publikum so unglaublich begeistert auf die Vorträge reagierte. Der Egerländer Abend im bis auf den allerletzten Platz brechend gefüllten Lagerhaus hat die Erwartungen mehr als übertroffen.

Schon bei der Zusammenstellung des Programms stieß Dirigent Roland Dworschak auf einen riesigen Schatz an Polkas, Walzern und Märschen, mit denen die Original Egerländer Musikanten unter der Leitung ihres legendären Chefs Ernst Mosch in über 40 Jahren ihr Publikum verzauberten. Anlässlich des 20. Todestags von Ernst Mosch am 15. Mai 2019 präsentierten die Walkertshofer Musikerinnen und Musiker zum ersten Mal Evergreens dieses Ausnahmeorchesters.

Mit der gewohnt hohen Präzision nahmen die rund 40 Akteure auf der Bühne ihre Zuhörer mit auf eine Reise durchs Egerland, Heimatland von Ernst Mosch, in dem der Böhmische Wind und die darin stehenden Birken rauschten und träumten. Da durfte Opa von zu Haus erzählen, wie er seine Liebe fürs ganze Leben fand. Ob es aber jetzt eine späte -, oder eine alte Liebe mit jungen Herzen ist, war für den Strohwitwer in seinem Garten unwichtig: ihn interessierte als Feinschmecker nur, ob seine große Liebe auch Knödel kochen kann. Die wollte davon aber nichts wissen, weil sie mit der Kapelle Gablonzer Perlen gewonnen hatte. Als Andulka im Wäldchen ihrem Castaldo den Marsch geblasen hatte, meinte dieser noch: "Wir Musikanten sind doch Kinder von der Eger". Aber es half nichts: mit einem Gruß an Böhmen verabschiedete sie sich und besiegelte mit Rosamunde ihre gute Freundschaft.

Mit seiner klugen und charmanten Moderation führte Roland Dworschak das Publikum durch einen denkwürdigen Abend voller Klassiker der böhmischen Blasmusik. Ramona Spindler, ein Eigengewächs der Walkertshofer Musikkapelle, gesellte sich zum ersten Mal als  Gesangspartnerin an seine Seite und überzeugte von Beginn an mit glasklarer Stimme und beeindruckender Musikalität.

Zum emotionalen Höhepunkt kam es, als Roland Dworschak seinen Vater Fredl, den Grandseigneur der Walkertshofer Musikanten, ans Mikrofon bat um mit ihm zusammen zu singen. Da gab es kein Halten mehr und alle Dämme brachen: lang anhaltender Applaus von allen Anwesenden, Publikum, Musikerinnen und Musiker im Lagerhaus erzeugten absolute Gänsehaut.

Das Experiment der Musikkapelle Walkertshofen wird unter der Rubrik "perfekt gelungen" in die Analen eingehen. Mit eigentlich relativ unaufgeregten Kompositionen der Blasmusikliteratur ist es dem Orchester gelungen, die Welt für knapp drei Stunden anzuhalten, damit sie sich Zeit nehmen konnte, für die schönen Momente im Leben.

Bis bald, auf Wiedersehen.